Wer ChatGPT und Claude nebeneinander nutzt, kennt das: Was du der einen KI-App gestern erklärt hast, weiß die andere heute nicht. Beide haben inzwischen ein eingebautes Gedächtnis, aber jedes lebt im eigenen Konto und kennt nur die eigenen Gespräche. Diese Anleitung verbindet beide mit einem gemeinsamen Gedächtnis. Danach liest Claude, was du in ChatGPT gespeichert hast, und umgekehrt. Du brauchst eine Adresse und pro App etwa fünf Minuten.

Warum die eingebauten Gedächtnisse getrennt bleiben

ChatGPT greift für sein Gedächtnis auf frühere Chats, gespeicherte Erinnerungen und deine eigenen Anweisungen zurück, je nach Plan auch auf Dateien aus der Bibliothek und verbundene Apps wie Gmail. Das alles liegt in deinem OpenAI-Konto. Claude sieht davon nichts. Und wer in ChatGPT ein Projekt auf „nur Projekt-Gedächtnis“ stellt, trennt das Wissen sogar innerhalb von ChatGPT (mehr zum ChatGPT-Gedächtnis).

Claudes Gedächtnis fasst deine Gespräche auf claude.ai zusammen, getrennt pro Projekt. Aus ChatGPT kannst du gespeicherte Erinnerungen einmalig in Claude importieren (wie das geht). Das ist ein Umzug, keine Verbindung: Was ChatGPT danach dazulernt, kommt in Claude nicht mehr an.

Ein gemeinsames Gedächtnis muss deshalb außerhalb beider Apps liegen. Der Weg dorthin heißt MCP, Model Context Protocol: ein offener Standard, über den KI-Apps Werkzeuge eines fremden Dienstes nutzen. ChatGPT und Claude sprechen ihn beide.

Was du brauchst

  • Ein Gedächtnis mit MCP-Server. Diese Anleitung nutzt Memexa (ab 2,99 € im Monat, 14 Tage Testphase, dafür ist eine Karte nötig). Andere gehostete MCP-Gedächtnisse funktionieren nach demselben Muster.
  • Claude: jeder Plan, auch der kostenlose. Dort ist genau ein eigener Connector frei, die bezahlten Pläne erlauben mehrere.
  • ChatGPT: Im Plus-Plan haben wir den Weg selbst geprüft. Ob er im kostenlosen Plan geht, haben wir nicht geprüft.

Die Adresse ist für beide Apps dieselbe:

https://brain.memexa.ai/mcp

Schritt 1: Claude verbinden (claude.ai)

In Claude heißen MCP-Server Connectors. Der Weg gilt im Browser und in Claude Desktop. Bist du in claude.ai angemeldet, öffnet dieser Direktlink das Formular sofort.

  1. Öffne in Claude die Einstellungen und dort Connectors.
  2. Klicke Eigenen Connector hinzufügen (Add custom connector).
  3. Name „Memexa“, URL https://brain.memexa.ai/mcp, bestätigen.
  4. Im Browserfenster meldest du dich mit deinem Memexa-Konto an. Die Anmeldung gilt dauerhaft.

Mehr Details, auch für Claude Code, stehen in Memexa in Claude einrichten.

Schritt 2: ChatGPT verbinden (chatgpt.com)

In ChatGPT heißen MCP-Server inzwischen Plugins; früher stand dasselbe unter „Connectors“.

  1. Öffne chatgpt.com/plugins und klicke Hinzufügen.
  2. Wähle Benutzerdefinierten MCP-Server hinzufügen.
  3. Trag einen Namen ein („Memexa“), als Server-URL https://brain.memexa.ai/mcp und als Anmeldung OAuth.
  4. Bestätige den Hinweis („Ich habe das verstanden …“) und klicke Als Plugin erstellen.
  5. Melde dich im Browserfenster mit demselben Memexa-Konto an wie in Claude.

Einrichten geht laut OpenAI nur im Browser, nicht in der Mobil-App. OpenAIs Hilfeseite zu eigenen MCP-Servern nennt die Funktion bisher nur für Business, Enterprise und Edu sowie für Pro mit Leserechten. Im Plus-Plan funktioniert der Weg trotzdem, das haben wir selbst in einem Plus-Konto nachgeprüft (Stand: November 2026).

Schritt 3: Prüfen, ob beide dasselbe Gedächtnis lesen

Sag Claude:

„Merk dir in Memexa: Das Angebot für Kunde Berger geht am Freitag raus.“

Frag danach in ChatGPT:

„Schau in Memexa nach: Wann geht das Angebot für Berger raus?“

Antwortet ChatGPT mit „Freitag“, lesen beide Apps denselben Stand. Klappt es nicht, prüfe in beiden Apps, ob der Connector bzw. das Plugin mit demselben Memexa-Konto angemeldet ist.

Wichtig: Gespeichert wird nicht automatisch

Das ist der Punkt, an dem die meisten Erwartungen falsch liegen. MCP gibt der KI-App Werkzeuge: suchen, lesen, Notiz anlegen. Wann sie welches aufruft, entscheidet die App im Gespräch. Sie schneidet nicht jedes Gespräch mit und schreibt es von selbst weg.

  • Lesen klappt meist ohne Aufforderung, sobald eine Frage nach deinem Wissen klingt. Am Anfang hilft ein „Schau in Memexa nach …“.
  • Speichern passiert, wenn du es sagst: „Merk dir …“, „Speichere die Entscheidung in Memexa“, „Leg dazu eine Notiz an“. ChatGPT fragt vor Änderungen je nach Einstellung nach. In den Einstellungen (in der englischen Oberfläche: Settings → Plugins → Permissions) legst du fest, ob es immer fragt oder etwa Lesen ohne Nachfrage erlaubt und nur vor Änderungen fragt.
  • Dauerhaft einstellen: Du kannst der App den Wunsch als feste Anweisung geben, in ChatGPT als eigene Anweisung (Custom Instructions), in Claude in den Anweisungen eines Projekts. Etwa: „Wenn wir etwas entscheiden, speichere es in Memexa.“ Das macht Speichern häufiger, aber nicht lückenlos.

Dokumente landen übrigens gar nicht über das Gespräch im Gedächtnis: PDFs, Scans und Mail-Exporte lädst du in Memexa hoch. Sie laufen durch Texterkennung, und beide Apps zitieren danach die Fundstelle bis zur Seite.

Was mit ChatGPTs und Claudes eigenem Gedächtnis passiert

Nichts. Beide eingebauten Gedächtnisse laufen weiter und beißen sich nicht mit dem gemeinsamen. Eine Aufteilung, die sich bewährt: Vorlieben zum Schreibstil und zur Antwortlänge bleiben in der jeweiligen App, Fakten, Entscheidungen und Dokumente kommen ins gemeinsame Gedächtnis. Was beide wissen sollen, gehört dorthin.

Häufige Fragen

Geht das auch mit ChatGPT Free?

Wir haben den Weg im Plus-Plan geprüft. Im kostenlosen Plan haben wir ihn nicht getestet. Siehst du auf chatgpt.com/plugins die Option für einen eigenen MCP-Server, probier es aus. Claude erlaubt einen eigenen Connector auch im kostenlosen Plan.

Sehen OpenAI und Anthropic dann mein ganzes Gedächtnis?

Nein. Die App bekommt nur, was ein Werkzeug auf eine konkrete Anfrage zurückgibt, etwa drei passende Notizen. Diese Treffer sind dann Teil des Gesprächs und werden so behandelt wie alles, was du selbst eintippst. Das Gedächtnis selbst liegt bei Memexa in der EU (alle Angaben zum Nachprüfen).

Funktioniert das auch mit Mistral Vibe oder Cursor?

Ja. Jede KI-App mit MCP liest dasselbe Gedächtnis, mit derselben Adresse. Die Wege stehen unter So funktioniert’s: KI-Apps verbinden.

Was kostet das?

Für Claude reicht der kostenlose Plan, für ChatGPT haben wir Plus geprüft. Memexa kostet ab 2,99 € im Monat (Basic), Pro 9 € und Power 19 € (alle Pläne). Was die Claude-Pläne kosten, steht in Claude Abo: Kosten in Euro, was ChatGPTs eingebautes Gedächtnis kann und wo es endet, auf der Seite ChatGPT-Gedächtnis.